Naturschutz im Peenetal | Das Peenetal

Außergewöhnliche Flußlandschaft

Dichter beschrieben zu allen Zeiten, was die Menschen an Natur faszinierte. Geheimnissvolle Erscheinungen in Mooren oder die schlichte Schönheit von Landschaften mit all ihren Pflanzen und Tieren, ihren Städten und Dörfern, ihren ganz eigenen und unverwechselbaren Lebensweisen. Von jeher waren die Menschen angetan vom Ruf des Seeadlers, von den prächtigen Blüten der Orchideen, von gaukelnden Schmetterlingen. Doch sind im Laufe der letzten hundert Jahre solch wunderbare Werke der Natur selten geworden. Nur noch an wenigen Stellen können wir Wald und Feld so erleben, wie wir sie aus den Erzählungen unserer Großeltern kennen.
Einer dieser seltenen Orte ist das Peenetal im Herzen Vorpommerns - eine Flußlandschaft, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Aus der Mecklenburgischen Schweiz kommend schlängelt sich die Peene windungsreich bis zum Oderhaff, gesäumt von Wiesen, Wäldern und kleinen malerischen Ortschaften. Eine enorme Vielfalt an Pflanzen und Tieren fasziniert den Besucher ebenso wie den heimischen Angler, der den Fischreichtum der Peene zu schätzen weiß. Diese Landschaft ist ein Schatz. Das wissen wir nicht erst, seit wir das Ruhrgebiet gesehen haben. Gehen wir sorgsam mit ihr um, wird sie nichts von ihrer Attraktivität einbüßen und weiterhin so manchen Gast erfreuen. Die Natur dankt es uns ohnehin. Für uns oft selbstverständlich finden Störche noch ausreichend Nahrung, um ihre Jungen großzuziehen. Mit etwas Glück muß man nicht lange auf einen Seeadler warten. Wo gibt es so etwas noch in Deutschland?

Wir wollen Sie über die einmalige Schönheit, aber auch die Verletzlichkeit des Peenetals informieren. „Wir", das sind die Mitglieder des Fördervereins „Naturschutz im Peenetal" e.V., einer Gemeinschaft unterschiedlichster Menschen aus ganz Vorpommern, die der Wunsch zusammengeführt hat, diese außergewöhnliche Flußlandschaft zu bewahren. Über ehrenamtliche Öffentlichkeitsarbeit möchten wir dabei um Verständnis für oft unpopuläre Naturschutzmaßnahmen werben, Vermittler zwischen den gelegentlich überforderten Ämtern und der Bevölkerung sein und aus dem Gegeneinander unterschiedlicher Interessen ein Miteinander für die Peenetallandschaft gestalten.

Darum folgen Sie uns zu einer Reise durch die Natur- und Kulturgeschichte dieser Landschaft. Machen Sie sich vertraut mit ihren Problemen, aber auch mit all ihrer Anmut.

Das Peenetal (Moorbildung)

Das Peenetal umfasst links und rechts neben dem Fluß Peene, die flächenmäßig größten Flusstal-Niedermoorflächen Deutschlands. Vom Kummerower See bis zur Mündung am Oderhaff ist das Tal über 100 Kilometer lang und 1 bis 2 Kilometer breit. Westlich und südlich des Kummerower Sees entspringen die drei Quellflüsse Teterower Peene, Westpeene und Ostpeene. Östlich von Anklam weitet sich das Tal trichterförmig auf, um dann flach in den westlichen Arm des Oderdeltas, den Peenestrom, abzufallen. Neben Trebel und Tollense münden zahlreiche kleinere Zuflüsse in die Peene, z.B. Kuckucksgraben, Schwinge, Swinow und Großer Abzugsgraben.

Das Wassereinzugsgebiet der Peene umfasst eine Fläche von mehr als 5.500 km².

Das verhältnismäßig tief in die umliegende Landschaft eingeschnittene Tal wird annähernd zur Hälfte der ursprünglichen Tiefe von einem Torfkörper ausgefüllt. Wegen ihres sehr geringen Gefälles von 20 Zentimetern über 80 Kilometer Länge fließt die Peene äußerst langsam. Deshalb kommt es als Besonderheit oft zum Rückstau oder Rückströmungserscheinungen von salzhaltigem Wasser in die Peene, wenn die Ostsee Hochwasser hat.

Eine weitere Besonderheit stellt der weitgehend ursprüngliche Verlauf der Peene dar.

Die Eindeichung und Nutzungsintensivierung unterblieb in einigen Talbereichen. Diese Bereiche wurden von Wiesen und Weiden geprägt, die während der letzten 200 Jahre nur gering genutzt wurden. Das gelegentliche Beweiden oder Mähen der Flächen (extensive Nutzung) war die Ursache für die Ansiedlung resp. das Auskommen vieler inzwischen seltener Pflanzen und Tiere.

Dazu gehören Flächen im NSG „Peenewiesen bei Trantow”, NSG „Peenewiesen bei Gützkow”, NSG „Peentalmoor bei Anklam“.

Diese artenreichen Abschnitte des Peenetales wurden bis etwa 1995 von großflächigen Bereichen unterbrochen, die noch einer intensiveren landwirtschaftlichen Nutzung unterlagen.

Geschaffen wurden sie in den 60er und 70er Jahren, als die Landwirtschaftspolitik der DDR forderte, alle nutzbaren Flächen unter den Pflug zu nehmen. Diese Flächen verloren die typischen Tier- und Pflanzenarten der Moore, weil die Moore eingedeucht, entwässert, umgebrochen und mit hochleistungsfähigem Grünlandsaatgut neu angesät wurden.

1992 wurde durch Fachbehörden der Bundesregierung und das Land Mecklenburg-Vorpommern beschlossen, das Peenetal mit seinen Besonderheiten als Gesamtsystem zu schützen, d.h. den Status eines großen Naturschutzgebietes für das gesamte Flußtalmoor der Peene anzustreben.

Es wurde ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das den langen Namen: „Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung - Gewässerrandstreifenprogramm“. trägt.

Dieses Programm stellt zu einem großen Teil die finanziellen Mittel bereit, mit denen die Landwirte für Ertragseinbußen bei naturschutzgerechter Wirtschaftsweise entschädigt werden. Eine gute Sache also, doch keine Garantie für eine dauerhaft stabile Situation.

Zur Moorbildung

Das Peenetal entstand vor ca. 10.000 Jahren während der letzten Phase der Weichsel-Eiszeit. Mit zunehmender Erwärmung zogen sich damals die Eismassen Stück für Stück nach Norden zurück, keineswegs ein kontinuierlicher Prozeß. Immer wieder kam es zu kürzeren Kältephasen, in denen die Gletscher wieder nach Süden vordrangen oder eine längere Zeit an einem Ort verharrten. Auch im Bereich der heutigen Odermündung kam es zu einer solchen Stillstandslage des Eises. Durch sein allmähliches Abtauen wurde riesige Wassermengen frei, die über längere Zeit einen Abflußweg nutzten und sich allmählich in die Landschaft einschneiden konnten. Ein großes Tal, das ursprüngliche Flußtal der Peene, war entstanden. Die Abbildung auf Seite 6 zeigt, wie die „Ur-Peene" zunächst nach Westen floß. Im Osten befanden sich zu jener Zeit noch große Gletscher. Erst nach ihrem Zurückweichen kehrte sich die Fließrichtung der Peene um, da es in dieser Richtung zu einem stärkeren Gefälle kam. Den Höhenunterschied, den die Peene damals wie heute überwindet, war nie besonders groß - ein Grund für ihre geringe Fließgeschwindigkeit.

Als das Eis das Becken der Ostsee freigab, stieg der Meeresspiegel allmählich an und damit auch der Grundwasserstand in der Landschaft. Im Ergebnis begann damit ein faszinierender Prozeß, dessen Auswirkungen noch heute das Bild des Peenetals prägen - die Enstehung von Moor.

Grundwasser ist Regenwasser, das z.B im Boden der an ein Flußtal grenzenden Äcker und Wälder versickert und über leicht durchlässige Bodenschichten (z.B. Sand) in Richtung der Talniederung fließt. Auf seinem Weg durch den Boden wird es mit Mineralien und Spurenelementen angereichert. In der Talniederung angelangt, tritt das Grundwasser schließlich zutage. Im Bereich dieser mineralienreichen Grundwasserquelle sind die Lebensbedingungen für viele Pflanzen hervorragend. So siedeln sich dort Schilf, viele Sauergräser oder Moose an. Zum Ende eines jeden Jahres sterben die oberirdischen Teile dieser Pflanzen ab, um im Frühjahr neu auszutreiben. Geraten die toten Teile unter den Wasserspiegel, so werden sie konserviert. Es entsteht Torf. Landschaften, die aus Torf bestehen, nennt man Moore.

Über Jahrtausende wurden so Schicht für Schicht Pflanzenreste abgelagert. Nach diesem Prinzip entstand auch im Peenetal mit dem weiterhin ansteigenden Meeresspiegel ein großflächiges Moor mit bis zu 8 m mächtigen Torfschichten.

Wir haben also gesehen, daß die Moore für ihre Entstehung Wasser brauchen. Die Wissenschaft unterscheidet verschiedene Moortypen, die auf unterschiedlichem Wege ihr Wasser bekommen.

Als Besonderheit tritt mit dem Anklamer Stadtbruch ein weiterer Moortyp auf. Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes Regenmoor.

Im natürlichen Zustand hat jeder Moortyp seine eigene typische Pflanzendecke, die vom Wasserstand und Nährstoffgehalt des Wassers abhängig ist. In unmittelbarer Nähe des Flusses siedelten ehemals Großseggenriede und Röhrichte, die durch die Wasserstandsschwankungen des Flusses beeinflußt wurden (Überflutungsmoor). Den größten Flächenanteil nahmen jedoch ursprünglich moosreiche Kleinseggen-, Seggen- und Binsenriede ein. Sie wuchsen in dem von Grundwasser durchströmten, mittleren Talbereich (Durchströmungsmoor). An den Grundwasseraustritten am Talrand (Quellmoore) entwickelten sich Erlenbruchwälder, Großseggenriede und/oder Röhrichte. Das Regenmoor wurde vor allem von Torfmoosen bewachsen. Aufgrund des ständig hohen Grundwasserstandes konnten sich auf den Moorflächen keine Bäume ansiedeln. Sie waren also vorwiegend waldfrei. Doch das Nebeneinander der verschiedenen Moortypen ergab eine hohe Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten - vielleicht ein Grund für die ersten Siedler, sich hier niederzulassen.

Vom Feuerstein zum Klosterziegel - die Menschen entdecken das Peenetal

Vermutlich begann die wechselvolle Besiedelungsgeschichte des heutigen norddeutschen Raumes bereits in der Altsteinzeit (vor ca. 12.000 Jahren). Funde alter Feuerstein-, Knochen- und Geweihgeräte im Peenetal gibt es jedoch erst aus der Zeit vor etwa 10.000-8.000 Jahren. Sie deuten auf die Kultur der Jäger und Sammler hin. In der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum) vergrößerte sich die Zahl der hier lebenden Menschen durch Zuzug. Sie lebten weiterhin von der Jagd und vom Sammeln pflanzlicher Nahrung, dazu kam der Fischfang.

Erst vor ca. 5.000 Jahren in der Jungsteinzeit wurden die Menschen hier allmählich seßhaft und begannen mit Ackerbau und Viehzucht. Zahlreiche Siedlungsstellen und Grabstätten zeugen noch heute von dieser Siedlungskultur. Verschiedene Grabtypen wurden in einer kurzen Zeitspanne von 2.600 bis 2.400 Jahren v.u.Z. während der Epoche der sogenannten Trichterbecherkultur erbaut und später in der Periode der Kugelamphoren- und Einzelgrabkultur weitergenutzt. Beeindruckende Grabanlagen am Rande des Peenetals befinden sich heute noch bei Upost, Passow, an der Schwinge und bei Polzin. An diesen Stellen kann man sich ein eindrucksvolles Bild über die Bestattungsmethoden jener Zeit verschaffen.

An mehreren Plätzen konnten im Bereich des Peenetals Siedlungsspuren der zum größten Teil nomadisierenden Viehzüchter aus der Bronzezeit nachgewiesen werden. Besonders imposant sind die in Vorpommern noch vielerorts anzutreffenden Hügelgräber, die Einzelbestattungen aus der ersten Phase der Bronzezeit (1.800 - 600 v.u.Z.) darstellen, wie bei Wulkow und Upost.

Aus der Eisen- oder Germanenzeit (600 v.u.Z. - 600 u.Z.) stammen zahlreiche Urnenfelder. Während der Völkerwanderungszeit im letzten Abschnitt der Eisenzeit, zogen große Bevölkerungsteile in westliche Richtung. Die verlassenen Räume wurden im 6. Jahrhundert von Slawen aus östlichen und südöstlichen Regionen Europas besiedelt. Sie bevorzugten die Flußtalmoore wie das Peenegebiet. So entstand u.a. die Hauptburg des Slawenstammes der Wilzen bei Demmin. Auch die Wikinger siedelten während der Altslawenzeit im Peenegebiet. Bei Ausgrabungen in der Nähe Menzlins bei Anklam konnten ihre Siedlungsspuren, insbesondere eine zum Hafen an der Peene führende Straße und Grabanlagen, entdeckt werden. Diese Funde, besonders die bootsförmigen Gräber, sind heute attraktive Ausflugsziele.

Nach dem Zerfall des Lutizenbundes entstand um 1100 unter Wartislaw I. ein westpommersches Herzogtum mit Sitz in Demmin. Der Hauptsitz wurde später wechselweise nach Wolgast und Stettin verlegt.

Die Bekehrung der heidnischen Pomoranen zum christlichen Glauben begann auf Initiative des Polenherzogs Boleslaw III. durch den Missionar Otto von Bamberg. Doch erst der Wendenkreuzzug durch sächsische Kreuzfahrer brachte im Jahre 1147 den gewaltsamen Durchbruch für den christlichen Glauben in Pommern. Ergebnis war die Errichtung von frühen Kirchen und ersten Klöstern bei Stolpe an der Peene (1153) und Dargun (1172). Durch die Missionierung war Pommern stärker ins Blickfeld der Deutschen geraten, die ab der Mitte des 13. Jahrhunderts in verstärktem Maße einwanderten.

Pflanzengesellschaften im Moor

Das Gelblichweiße Knabenkraut (Dactylorhiza ochroleuca), eine Orchideenart, ist nur an einer Stelle im Peenetal zu finden

Die Sumpf-Sitter, eine prachtvolle Orchideenart, erreicht im Peenetal an einigen Stellen erstaunliche Dichten

Die Mehl-Primel, eine an Kalkreichtum gebunden Art, die im Alpenvorland häufiger anzutreffen ist, findet auch im Peenetal noch mehrere gut geeignete Standorte

Der Wiesen-Knöterich wird aufgrund seiner länglichen Blütenstände auch Schlangen-Knöterich genannt. Es ist eine Art, die in nährstoffreichen, kalkhaltigen Feuchtwiesen zu finden ist

Die Wenigblütige Sumpfsimse (Eleocharis quinqueflora) ist eine stark gefährdete Art, die im Peenetal nur noch einen Fundort hat. Im Wasser im Vordergrund sind Armleuchteralgen zu sehen. Beide Arten sind an nassen, kalkhaltigen bis kalkreichen Bedingungen gebunden

Ein Fest für alle Sinne das ist das Peenetal. Welch Farbenpracht all der Blüten in den Feuchtwiesen.

Die heutigen blütenreichen Feuchtwiesen haben sich aus ursprünglichen nassen Seggenrieden durch schwache Entwässerung sowie eine traditionelle, extensive Bewirtschaftung entwickeln können. Sie sind sehr artenreich. Sie bedecken kaum mehr als 5 Prozent der Peenetalfläche. Trotz ihrer geringen Ausdehnung sind sie jedoch wichtige Rückzugsräume für früher weit verbreitete und heute stark gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Zu diesen zählen zweifellos als die bekanntesten die Orchideen. Da diese Pflanzen auf winzige im Boden lebende Pilze angewiesen sind, können sie nicht überall gedeihen und sind somit sehr anspruchsvoll. Das Ostsee-Knabenkraut besitzt gar im Peenetal das einzig bekannte Vorkommen in Deutschland. Die Ende Mai gelbblühende Trollblume ist ein Beispiel für die in Flußtalmooren stark zurückgegangenen Arten. Sie kann glücklicherweise noch in jedem Frühjahr z.B. im NSG „Peenewiesen bei Gützkow” zusammen mit vielen Orchideen bestaunt werden. Die Farbpalette vervollständigen: der rosafarbene Blut-Weiderich, der rötliche Wiesen-Knöterich, gelbe Hahnenfuß-Arten, das blaue Sumpf-Vergißmeinnicht und der braunrote Bach-Nelkenwurz. Dazu gehören die rosafarbene Mehl-Primel und der Blaue Tarant, beides Pflanzen, die inzwischen vom Aussterben bedroht sind.

Auf den sanften Hügeln des Talrandes sind blütenreiche Mager- und Trockenrasen zu bestaunen. Auch sie sind auf eine sporadische Nutzung durch den Menschen angewiesen. Am besten bekommt ihnen die Beweidung durch Schafe. Das in früheren Zeiten so häufige Bild des wandernden Schäfers ist heute selten geworden. Hier und da werden auch mit Mitteln des Naturschutzes Schafhalter finanziert, die solch wertvolle Bereiche, wie an den Rändern des Peenetals, beweiden und dadurch pflegen. Unter den hier lebenden Pflanzen findet man eine prächtige Pflanze des Frühjahrs. die Wiesen-Küchenschelle. Ihre ursprüngliche Heimat sind die weiten Steppengebiete Rußlands. Seit am Ende der letzten Eiszeit im Peenetal ähnliche Klimabedingungen herrschten, hat sie sich hier gehalten. Mit den feinen Haaren, die ihre Blüten und Blätter überziehen, schützt sie sich vor starker Sonneneinstrahlung.

Von den Hügeln herab hat der Betrachter einen guten Überblick über das Tal. Auffällig ist der hohe Anteil großflächig monoton wirkender Wiesen. Fast die Hälfte des Peenetales und damit den größten Flächenanteil nehmen die so genannten Saatgrasländer ein. Sie entstanden durch tiefe Entwässerung, gefolgt von Umbruch und Ansaat produktiver Grasgemische. So wurden aus den ehemals blütenreichen Feuchtwiesen z.T. artenarme Grasflächen einheitlich, gleichförmig.

Viele dieser Wiesen wurden seit 1993 durch das Naturschutzgroßprojekt „…“ jedoch eine Renaturierung in der Form zugeführt, daß die intensive landwirtschaftliche Nutzung durch extensive Nutzung abgelöste wurde, oder durch die Einstellung der Entwässerungsarbeiten resp. das Schlitzen von Polderdeichen eine Wiedervernässung, mit dem Ziel neuer Moorbildung, erfolgte.

Tiere im Moor

Das Peenetal ist das Zuhause unzähliger Tag- und Nachtfalter

Der Große Feuerfalter (Lycaena dispar) ist eine europweit geschützte Tagfalterart, die im Peenetal noch an vielen Stellen zu bewundern ist

Auch für Libellen ist das Peenetal mit seinen vielen flachen und tiefen Torfstichen sowie Gräben ein richtiges Paradies

Solche Beutel aus Weiden- und Rohrkolbensamen können im Peenetal noch recht häufig angetroffen werden. Es ist das Nest der Beutelmeise (Remiz pendulinus). Es wird kunstvoll an Zweigen von Erlen oder Weiden festgeknupft

Die Behausung einer weiteren Art, die im Peenetal inzwischen wieder allgemein vorkommt, der Elbe-Biber (Castor fiber albicus)

Im gesamten Peenetal befinden sich zur Zeit (2007) sieben Naturschutzgebiete (NSG) mit einer Gesamtfläche von 3.901 ha. Darüber hinaus besitzt das gesamte Tal den Status eines Landschaftsschutzgebietes (LSG). Innerhalb der Talmoorlandschaft erfolgte für die NSG „Peenetalmoor“ und „Anklamer Stadtbruch“ durch den Beitritt der DDR zur sogenannten RAMSAR-Konvention, einem internationalen Naturschutzabkommen, die Ausweisung als Feuchtgebiet nationaler Bedeutung.

Als Rast-, Nahrungs- und Durchzugsgebiet ist das Peenetal ein Gebiet von Rang. Für ziehende Vögel bildet das Tal eine regelrechte Leitlinie. Beispiele sind das Westufer des Kummerower Sees und der Peenestrom. Dort bietet sich jährlich ein grandioses Schauspiel, wenn zehntausende Saat- und Bleßgänse, hunderte Singschwäne, riesige Scharen von Kiebitzen und große Trupps Goldregenpfeifer während ihres Zuges rasten.

Schilfröhrichten sind der Lebensraum vieler Vogelarten, die an das Leben inmitten der schwankenden Halme hervorragend angepaßt sind. Eher durch seinen Gesang als durch seine Erscheinung fällt hier der Teichrohrsänger auf. Kunstvoll webt er sein korbförmiges Nest zwischen das Rohr. Auch ein typischer, aber scheuer Bewohner der verschilften Flächen ist die Bartmeise. Sie besiedelt insbesondere den Raum zwischen Anklam und der Schadefähre sowie das Westufer des Kummerower Sees. Mit über 400 Brutpaaren dieser seltenen Vogelart beherbergt das Peenetal fast ein Drittel der derzeit bekannten Gesamtpopulation Deutschlands. Das Blaukehlchen, ein Bewohner der feuchten Gebüsche, hat im Peenetal das größte zusammenhängende Brutgebiet Mitteleuropas. Das Männchen ist im Prachtkleid durch seine glänzende, kornblumenblaue Brust zwar sehr auffällig, aber selten zu beobachten.

Als “Fliegender Edelstein” wird der Fische fangende Eisvogel bezeichnet. Eisvögel brüten an kleinen Sandabbrüchen der Talufer, in die sie tiefe Höhlen graben.

Ein weiterer attraktiver Brutvogel des Peenetals ist die Trauerseeschwalbe. Sie besiedelt vor allem die kleinen Randgewässer mit vielen Schwimmpflanzen (zumeist Teichrosen), auf deren Blättern sie ihre Nester errichtet. Die Vögel brüten hier in Kolonien.

Seit 1992 ist das gesamte Flußtal in den Grenzen des LSG nach der Europäischen Vogelschutzrichtlinie als Vogelschutzgebiet „Peenetal vom Kummerower See bis Schadefähre“ ausgewiesen.

Die unmittelbare Nähe zur Ostsee ist die Ursache für das Vorkommen einiger wandernder Meeresfische, wie z.B. Lachs und Meerforelle. Auch mit dem fischreichen Oderhaff steht die Peene in Verbindung, so daß Speisefische wie Zander und Hecht, Blei und Plötze in großen Schwärmen zur Laichzeit in die Peene ziehen. Eine Besonderheit ist das Vorkommen vom Flußneunauge. Diese interessante Tierart ist in Mecklenburg-Vorpommern akut vom Aussterben bedroht. Ihre Refugien sind die kleineren Peenezuflüße, wie der Libnower Mühlbach, der Galgenbach oder der Augraben.

Die häufigsten Arten des Flusses sind Plötze und Barsch. In den Standgewässern, den alten wassergefüllten Torfstichen am Rand der Peene, sind weiterhin Rotfeder, Güster und Schlei zahlreich vorhanden. In den kleineren Zuflüssen gesellen sich Schmerlen und Gründlinge hinzu.

In dem unterholzreichen Areal zwischen Torfstichen und Landflächen fühlen sich insbesondere Fischotter und Biber wohl. Diese Tiere sind sehr scheu und die Chance, sie vom Schiff aus zu sehen, ist gering. Doch mit viel Geduld, Ausdauer und etwas Glück kann man das Treiben dieser liebenswerten Säugetiere beobachten.

Der Biber ist das größte Nagetier Europas. Er war im Peenetal ausgestorben und wurde erst 1973 (?) wieder angesiegelt, weil damals Elbe-Biber aus der Mulde einem Braunkohlentagebau weichen mußten. Heute lebt der Biber auch am Oberlauf der Peene, im Landgraben und der Tollense.

Seine Anwesenheit ist anhand der auffälligen Spuren seiner Bautätigkeit (Burgen, Dämme sowie Kanäle) kaum zu übersehen. Auch die Fraßspuren an den bevorzugten Weichhölzern, wie Weiden und Pappeln, fallen auf. Besonders markant sind die bis zu 1,5 m hohen Biberburgen, kunstvolle Gebilde aus aufgeschichteten Ästen, Schilf, Schlamm und Erdreich. Die Tiere erreichen sie über mehrere unter Wasser befindliche Zugänge.

Während der Biber lieber an den Trieben der im Peenetal weitverbreiteten Weidengebüsche knabbert, kommt dem Fischotter der Fischreichtum insbesondere in den Torfstichen zugute. Leider wird der putzige Gesell gelegentlich Opfer der Reusen der Fischer, aus denen er nicht wieder herauskommt. Doch sind die Naturschutzbehörden mit den Fischern im Gespräch und vereinzelt werden bereits ottersichere Aalreusen eingesetzt.

Die artenreichste Organismengruppe im Peenetal sind die Insekten. Ursachen sind auch hier der große Reichtum an Pflanzen und die Vielfalt an Strukturen (Gebüsche, Wiesen, Wälder, Wasser). Neben Libellen und Käfern gibt es unzählige Heuschrecken, Schmetterlinge, Bienen, Fliegen und und und. Eine interessante und typische Heuschrecke der feuchten Wiesen des Peenetals ist die schön gefärbte Sumpfschrecke. Unter den 69 im Peenetal nachgewiesenen Tagfalterarten sind besonders der Goldene Scheckenfalter sowie der Große Feuerfalter erwähnenswert. Für beide besitzt das Peenetal eine europaweit herausragende Rolle als Lebensraum. Der Große Feuerfalter ist besonders in Bereichen zu beobachten, wo seine Nahrungspflanze, der Fluß-Ampfer gedeiht.

Unter den Nachtfaltern gibt es sogar einige Arten, die im Peenetal ihr einzig bekanntes Vorkommen innerhalb Deutschlands besitzen. Ihr Verbreitungsschwerpunkt sind die Feuchtwiesen, Riede und Gebüsche der Naturschutzgebiete „Peenewiesen bei Gützkow” und „Anklamer Stadtbruch”.

Eine auffällige und im Grünland des Peenetals häufige Spinnenart ist die Zebraspinne. Das bis zu 2,5 cm große Weibchen lockt durch „Hüftwackeln” und „Fadentrommeln” im Netz das unscheinbare Männchen an, um sich zuerst mit ihm zu paaren und es anschließend zu verspeisen eine für uns Menschen eher ungewöhnliche Praxis der Arterhaltung.

Moornutzung damals, heute und in der Zukunft

Anfang der Moornutzung: Nahrungs- und Wärmequelle

Die deutschen Bauern, Adligen und Kaufleute stammten vor allem aus Westfalen, Niedersachsen und Friesland. Sie brachten Kultivierungsmaßnahmen mit ins Land, die die Pomoranen nicht kannten, bis dahin aber auch nicht benötigten. Dazu gehörten das Roden der Wälder und die Entwässerung der Sümpfe. Bachtäler wurden aufgestaut und Wassermühlen gebaut (z.B. am Wasserlauf der Schwinge bei Sassen). Das Wirtschaftspotential Pommerns stieg dadurch erheblich an. Diese Zeit markiert auch den Anfang einer stärkeren Nutzung des Peenetals für landwirtschaftliche Zwecke. Über lange Zeit waren Jagd, Fischerei, Wiesen und Weidewirtschaft sowie Torfabbau die vorherrschenden Nutzungsformen. Anfangs wurden nur die natürlichen Ressourcen wie Fische und Wild genutzt. Bereits seit Beginn der Bronzezeit ist zudem die Nutzung des Torfes als Brennmaterial bekannt. Die Art und Intensität der Bewirtschaftung änderte sich im Laufe der Zeit durch zunehmende Möglichkeiten, die Wasserstände nach Bedarf zu regulieren. Zum Ende des Mittelalters fingen die Menschen an, die Niedermoore für die Gewinnung von Streu und Tierfutter zu nutzen. Dafür wurden erste Entwässerungen in Form von einfachen Gräben vorgenommen.

Neben der landwirtschaftlichen Nutzung überwog bis Ende des 19. Jahrhunderts in den Flußtalmooren, vor allem im Umfeld der Städte, die Brenntorfgewinnung. Mit der Einführung der Torfstechmaschinen ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer deutlichen Intensivierung des Torfabbaues. Der gestochene und getrocknete Torf wurde über Kanäle und dann über die Peene abtransportiert. Die Anlage von Torfstichen und Kanälen führte zur verstärkten Entwässerung der umliegenden Moorflächen. Als das Gebiet an das Eisenbahnnetz angeschlossen und die Kohlefeuerung eingeführt wurde, verlor die Torfgewinnung jedoch schnell an Umfang und Bedeutung.

Durch technische Entwicklungen begann um die Jahrhundertwende eine weitere Phase der Moornutzung. Großflächige Meliorationsarbeiten (Entwässerungen), die zwischen 1920 und 1939 erfolgten, ermöglichten eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung der feuchten bis nassen Bereiche im Flußtalmoor. Es wurden Meliorationsgenossenschaften gegründet, wie z.B. die “Genossenschaft zur Bodenverbesserung zwischen Breechen und Gützkow“. Im Zuge der Entwässerungen wurden zahlreiche Schöpfwerke und Deiche errichtet. An einigen Stellen wurde die Peene begradigt wie z.B. bei Pensin („die Randowschleife”). Weitere Ertragssteigerungen erhoffte man sich durch Grünlandumbrüche und Neuansaaten von Kulturgräsern, vorübergehend auch durch Maisanbau. Einen weiteren Meliorationsschub erfuhren die Moore in den 60er und 70er Jahren im Zuge der Einführung der industriemäßigen Produktion von Silage und Heu. Diese war mit dem Einsatz von Mineraldünger, Umbruch und Neuansaat produktiver Kulturgrasgemische verbunden. Um die Anwendung von schweren, eigentlich für Mineralböden entwickelten Maschinen zu ermöglichen, wurden die jeweiligen Moorbereiche tiefer als je zuvor entwässert. Sie wurden eingedeicht und mit Schöpfwerken ausgestattet, es entstanden die sogenannten Polder.

Die für eine intensive Nutzung erforderliche tiefe Entwässerung der Polder führte dazu, daß das Moor oberflächlig austrocknete, regelrecht schrumpfte und durch die Bearbeitung auch verdichtet wurde. Das fehlende Wasser bewirkte eine Mineralisation des organischen Torfes, die eine verstärkte Belastung der Gewässer mit Nährstoffen und der Luft mit Treibhausgasen nach sich zog.

Die Torfverdichtung führte dazu, daß die Flächen immer schwieriger zu entwässern waren. Das Regenwasser versickerte nur langsam. Gleichzeitig bewirkte Moorsackung, daß die Entwässerung über Drainagen und Gräben immer schlechter funktionierte. Die ursprüngliche Absicht, die Flächen trockenzulegen, kehrte sich damit sogar um: die Polder wurden immer nässer. Um die Bewirtschaftbarkeit und den Ertrag erneut zu steigern, war eine weitere Vertiefung des Grabennetzes notwendig. Dadurch wurden aber auch wieder die Torfsackung und -verdichtung beschleunigt. Was man auch tat, es entstanden immer wieder größere Probleme.

Touristisches Potential

  • die Dörfer mit Kirchen, Kneipen, Gutshäusern und Parks
  • die kleinen Städte mit Traditionen seit dem 13. Jahrhundert, aber auch Museen
  • die Segler, Kanufahrer, Wasserwanderer, und Angler
  • die Schloßhotels und privaten Ferienunterkünfte, auch Ferien auf dem Bauernhof

Boden- und Naturdenkmale

Funde alter Feuerstein, Knochen und Geweihgeräte im Peenetal gibt es aus der Zeit vor etwa 10.000 Jahren. Sie deuten auf die Kultur der Jäger und Sammler hin. In der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum) vergrößerte sich die Zahl der hier lebenden Menschen durch Zuzug. Sie lebten weiterhin von der Jagd und vom Sammeln pflanzlicher Nahrung, dazu kam der Fischfang. Erst vor ca. 5.000 Jahren in der Jungsteinzeit wurden die Menschen hier allmählich seßhaft und begannen mit Ackerbau und Viehzucht. Zahlreiche Siedlungsstellen und Grabstätten zeugen noch heute von dieser Siedlungskultur. Verschiedene Grabtypen wurden in einer kurzen Zeitspanne von 2.600 bis 2.400 Jahren v.u.Z. während der Epoche der sogenannten Trichterbecherkultur erbaut und später in der Periode der Kugelamphoren und Einzelgrabkultur weitergenutzt. Beeindruckende Grabanlagen am Rande des Peenetals befinden sich heute noch bei Upost, Passow, an der Schwinge und bei Polzin. An diesen Stellen kann man sich ein eindrucksvolles Bild über die Bestattungsmethoden jener Zeit verschaffen.

An mehreren Plätzen konnten im Bereich des Peenetals Siedlungsspuren der zum größten Teil nomadisierenden Viehzüchter aus der Bronzezeit nachgewiesen werden. Besonders imposant sind die in Vorpommern noch vielerorts anzutreffenden Hügelgräber, die Einzelbestattungen aus der ersten Phase der Bronzezeit (1.800 600 v.u.Z.) darstellen, wie bei Wulkow und Upost.

Aus der Eisen- oder Germanenzeit (600 v.u.Z. 600 u.Z.) stammen zahlreiche Urnenfelder. Während der Völkerwanderungszeit im letzten Abschnitt der Eisenzeit, zogen große Bevölkerungsteile in westliche Richtung. Die verlassenen Räume wurden im 6. Jahrhundert von Slawen aus östlichen und südöstlichen Regionen Europas besiedelt. Sie bevorzugten die Flußtalmoore wie das Peenegebiet. So entstand u.a. die Hauptburg des Slawenstammes der Wilzen bei Demmin. Auch die Wikinger siedelten während der Altslawenzeit im Peenegebiet. Bei Ausgrabungen in der Nähe Menzlins (FND „Altes Lager“ bei Anklam konnten ihre Siedlungsspuren, insbesondere eine zum Hafen an der Peene führende Straße und Grabanlagen, entdeckt werden. Diese Funde, besonders die bootsförmigen Gräber, sind heute attraktive Ausflugsziele.

Nach dem Zerfall des Lutizenbundes entstand um 1100 unter Wartislaw I. ein westpommersches Herzogtum mit Sitz in Demmin. Der Hauptsitz wurde später wechselweise nach Wolgast und Stettin verlegt.

Die Bekehrung der heidnischen Pomoranen zum christlichen Glauben begann auf Initiative des Polenherzogs Boleslaw III. durch den Missionar Otto von Bamberg. Doch erst der Wendenkreuzzug durch sächsische Kreuzfahrer brachte im Jahre 1147 den gewaltsamen Durchbruch für den christlichen Glauben in Pommern. Ergebnis war die Errichtung von frühen Kirchen und ersten Klöstern bei Stolpe an der Peene (1153) und Dargun (1172). Durch die Missionierung war Pommern stärker ins Blickfeld der Deutschen geraten, die ab der Mitte des 13. Jahrhunderts in verstärktem Maße einwanderten.